LRK NRW - Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW

Düsseldorf, 6. Mai 2011

 

Die Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW (LRK) nimmt Stellung zu

"Familienfreundlichkeit an Hochschulen verbessern", Antrag der Fraktion der CDU, Drucksache 15/675

 

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Vorbemerkungen

Die Landesrektorenkonferenz begrüßt, dass sich der Landtag erneut – aktuell auf Antrag der CDU-Fraktion - mit dem Thema Familienfreundlichkeit an den nordrheinwestfälischen Hochschulen befasst. An den Universitäten ist in den vergangenen zwei Jahren nach der letzten parlamentarischen Befassung anlässlich des damaligen Antrags der GRÜNEN Fraktion zu diesem Thema von April 2009 (auf Grundlage der diesbezüglichen Großen Anfrage) zwar einiges auf den Weg gebracht und verbessert worden, was die Vereinbarkeit von Studium bzw. wissenschaftlicher Karriere mit Familie weiter erleichtert, nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor erheblichen Handlungsbedarf in alten und neuen Bereichen.

Nur auf einen Teil der Probleme können die Hochschulen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln selber reagieren. In anderen Fällen sind sie auf politische bzw. gesetzgeberische Unterstützung angewiesen.

Angesichts der demographischen Entwicklung, die sich gerade auch im Bereich von Wissenschaft und Forschung negativ auswirken kann, sowie des sich abzeichnenden
Fachkräftemangels, teilt die LRK die Auffassung, dass eine familiengerechte Gestaltung der Hochschule ein wichtiges Element für die Zukunftsfähigkeit der Hochschul- und Wissenschaftslandschaft und damit des Standorts Deutschland ist.

 

Neuere Zahlen zu den Beschäftigten und Studierenden mit Kindern verdeutlichen die Bedeutung einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. Studium an den Hochschulen in NRW:

  • Unter den gegenwärtigen Studierenden haben der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zufolge 5 % ein Kind oder mehrere Kinder. Gemäß der amtlichen Hochschulstatistik (WS 2009/2010) sind das über 17.500 Studierende an den Universitäten in NRW. Wenn studieren mit Kind damit auch immer noch keine Normalität ist, stellen die Studierenden mit Kindern damit doch einen zu beachtende Anteil an der Studierendenschaft. Studierende mit Kindern haben unter den gegebenen gesellschaftlichen und universitären Rahmenbedingungen vielfach Probleme, die Betreuung ihrer Kinder bei Veranstaltungen, vor allem in den Tagesrandzeiten oder in den Prüfungsphasen, sicherzustellen und ihr Studium in der Regelstudienzeit zu beenden. Die unzureichende räumliche Ausstattung vieler Hochschulen, die sich absehbar im Zusammenhang mit dem doppelten Abiturjahrgang verstärken wird, verschärft die Probleme, da Veranstaltungen zur optimalen Nutzung der vorhandenen Räumlichkeiten zunehmend auch in den Tagesrandzeiten abgehalten werden müssen. Bei einer zukünftigen Öffnung der Hochschule für weitere Gruppen im Rahmen des lebenslangen Lernens ist zu erwarten, dass der Anteil von Studierenden, die Studium und Kinder vereinbaren müssen, weiter steigt.
  • Eine andere Problematik zeigt sich auf dem „Karriereweg Wissenschaft“ und hier insbesondere bei den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen des akademischen Mittelbaus. Knapp 39 % des wissenschaftlichen Personals an nordrheinwestfälischen Hochschulen haben Kinder, was über 11.000 Personen entspricht.Dies bedeutet gleichzeitig aber auch, dass, wie die Studie „Wissenschaft als Lebensform“ (Metz-Göckel et al. 2009) aufgezeigt hat, gut 61 % des wissenschaftlichen Personals an nordrhein-westfälischen Universitäten, beim wissenschaftlichen Mittelbau sogar 72%, kinderlos sind. Damit liegt der wissenschaftliche Nachwuchs in punkto Kinderlosigkeit im Vergleich verschiedener Berufsgruppen auf einem „Spitzenplatz“. Kinderlosigkeit ist im akademischen Milieu aufgrund der den Wissenschaftsbereich prägenden Arbeitsbedingungen und Karrierewege demnach weit verbreitet. Lange Qualifikationsphasen mit befristeten und oft teilzeitigen Beschäftigungsverhältnissen ohne planbare und verlässliche Karriereentwicklung tragen offenbar dazu bei, dass der Kinderwunsch aufgeschoben oder ganz auf Kinder verzichtet wird. Die Entwicklungen der letzten Jahre, die durch eine Zunahme von zeitlich befristeten Verträgen in Drittmittelprojekten mit ungewisser Anschlussperspektive ebenso geprägt waren, wie mit gestiegenen Erwartungen an die (Auslands-)Mobilität auf dem wissenschaftlichen Karriereweg, dürften die Möglichkeiten junger Eltern (vor allem Mütter), sich im Wissenschaftssystem dauerhaft zu etablieren, weiter erschwert haben.
  • Für die sogenannten „weiteren Beschäftigten“, die für das Funktionieren des Lehr- und Forschungsbetriebs nicht außer Acht gelassen werden dürfen, liegen gar keine entsprechenden verlässlichen bundes- und/oder landesweiten Zahlen zu Elternschaft und Kinderlosigkeit vor, so dass hier der Bedarf an Vereinbarkeitsmaßnahmen nur geschätzt werden kann.
  • Bisher wenig im Blickfeld sind die Vereinbarkeitsbedarfe von Hochschulangehörigen mit Pflegeverpflichtungen. Zahlen zur quantitativen Verbreitung dieser Gruppe liegen nicht vor. Angesichts einer Zahl von rd. 1 Million privat pflegender Angehöriger in Deutschland (StBA 2008) und einem Anteil von 2/3 der Hauptpflegepersonen, die noch im Erwerbsalter sind, dürfte von einem beträchtlichen Vereinbarkeitsbedarf in diesem Feld auch an Hochschulen ausgegangen werden. Auch in diesem von Hochschulen bisher insgesamt wenig adressierten Feld ist angesichts eines erwarteten Anstiegs der Pflegebedürftigen in Deutschland von 2,4 Mio. Personen in 2010 auf 3-3,4 Mio. Personen in 2030 von steigenden Bedarfen auszugehen.

 

Es sind also nach wie vor Maßnahmen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit notwendig, die den Hochschul- und Wissenschaftsbereich sowohl für Akademikerinnen und Akademiker, die Kinder oder Pflegeaufgaben haben, als Berufsfeld attraktiv machen, als auch Studierenden mit Kindern, ggf. auch Pflegeaufgaben, ein Studium ermöglichen sowie die Perspektive von Wissenschaft als Beruf möglich erscheinen lassen. Angesichts der schwierigen Studienbedingungen und hohen Abbruchquoten gerade bei Studierenden mit Kindern ist der letztgenannte Aspekt ohne Frage eine besonders wichtige Aufgabe. Es muss aber darum gehen, jeder Statusgruppe der Hochschule Zugang zu familienorientierten Dienstleistungen zu verschaffen und sie durch eine Flexibilisierung der Studien- und Arbeitsorganisation bei der Vereinbarkeit mit familiären Bedarfen zu unterstützen. Dies umfasst auch eine Sensibilisierung und entsprechende Schulung von wissenschaftlichen Führungskräften, die bisher weder ein Bestandteil der wissenschaftlichen Ausbildung, noch ein Kriterium bei Berufungen ist.

 
Der CDU-Antrag greift an dieser Stelle insofern zu kurz, da er sich ausschließlich auf die Gruppe der Studierenden bezieht und die anderen Statusgruppen und familiären Lebenssituationen nicht explizit in den Blick nimmt. Um an den Hochschulen ein familiengerechtes Umfeld schaffen zu können, stehen derzeit kaum Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Anders als bei den Studierenden wird bei den Beschäftigten die Universität nicht als Sozialraum anerkannt. Das heißt, alle Kosten für Angebote im Bereich Kinderbetreuung sowie im Bereich der Beratung von Beschäftigten mit pflegebedürftigen Angehörigen müssen derzeit von den Hochschulen trotz knapper Haushaltsmittel selbst getragen werden. Um hier einen entsprechenden Standard anbieten und halten zu können, ist eine finanzielle Unterstützung der Hochschulen in den genannten Bereichen sowie eine Überprüfung von Regularien, die die besondere Situation von Hochschulen nicht im Blick haben (bspw. Aufnahme nicht ortsansässiger Kinder), unabdingbar.

 

Ergänzend muss erwähnt werden, dass die Verbesserung der Familienfreundlichkeit der Universitäten praktische Frauenförderung im Wissenschaftsbereich ist. So begründet die DFG ihre Initiative der Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards folgendermaßen:

„Die Tatsache, dass der Anteil von Männern und Frauen bei Studienbeginn etwa ausgeglichen ist, der Frauenanteil aber im Verlauf der wissenschaftlichen Karriere drastisch sinkt, muss erschrecken. Es ist kaum zu ermessen, wie viel wissenschaftliches Potenzial ungenutzt bleibt, weil die Strukturen im deutschen Wissenschaftssystem noch immer so ausgestaltet sind, dass es für Wissenschaftlerinnen schwierig oder unattraktiv ist, eine Karriere in der Wissenschaft zu verfolgen.“

Da Fürsorgepflichten in unserer Gesellschaft nach wie vor hauptsächlich von Frauen getragen werden, führt der Mangel an familienfreundlichen Strukturen und unterstützenden Einrichtungen an den Universitäten entweder faktisch zu einer Mehrfachbelastung oder diese wird für die Zukunft erwartet. Das ist dann oftmals ein Grund, warum Wissenschaftlerinnen an einem bestimmten Punkt auf der Karriereleiter freiwillig oder unfreiwillig aus dem Wissenschaftssystem ausscheiden.

Vor diesem Hintergrund teilt die LRK die Auffassung, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit als wichtige Aufgabe der Hochschulen verbindlich sein müssen. Doch können die Universitäten die notwendigen Initiativen letztlich nur ergreifen und verstetigen, wenn sie seitens des Landesgesetzgebers dafür auch die nötige ressourcenbezogene und strukturelle Unterstützung erhalten.

 

Zu den einzelnen Forderungen des CDU-Antrags

  • Erhöhung der Zahl der Kinderbetreuungsplätze an den Hochschulen

Dieser Punkt wird seitens der LRK ausdrücklich unterstützt. Vor allem für die Altersgruppe der unter 3Jährigen besteht hier weiterhin ein hoher Bedarf. Allerdings sind Art und Umfang der Realisierbarkeit sowie die Qualität der Betreuungsangebote davon abhängig, wie viele Ressourcen den Universitäten für entsprechende Zwecke zur Verfügung stehen. Außerdem muss unbeschadet des wichtigen Aspekts des Kindeswohls ein Höchstmaß an Flexibilität bei der universitären Kinderbetreuung möglich sein. So darf beispielsweise bei der anstehenden Novellierung des Kinderbildungsgesetzes (KIBIz) die Möglichkeit zum Platzsharing nicht verbaut werden, vielmehr braucht es hier Lockerungen. Zudem werden Back-Up Betreuungsangebote bislang nicht über das KIBIz öffentlich refinanziert und müssen demzufolge von den Hochschulen eigenständig finanziert werden. Auch müssen die Hochschulen einfacher als bisher Elternbeiträge für Kinderbetreuung einnehmen können und die Möglichkeit erhalten, Spenden für ihre Einrichtung annehmen zu dürfen.

Zu betonen ist auch, dass der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen an den Hochschulen nicht die familiären Betreuungsbedarfe von Eltern bereits schulpflichtiger Kinder löst. Hier ist das Engagement des Landes für verlässliche Schulzeiten sowie den weiteren Ausbau öffentlicher Ganztagsplätze in den vorschulischen und schulischen Bildungsinstitutionen essentiell.

 

  • Verbesserung von gesetzlichen Rahmenbedingungen

Dieser Punkt ist grundsätzlich sowohl mit Zielrichtung Bund als auch Land (siehe oben Stichwort KIBIz) zu unterstützen, bleibt aber im vorliegenden Antrag der CDU mangels
inhaltlicher Konkretisierung unklar.

Einige aus Sicht der LRK notwendige Gesetzesänderungen betreffen:

1. eine Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG). Sinnvoll wäre hier u.a.
- eine Verlängerung der zulässigen Befristungsdauer gemäß § 2 Abs. 1 aufgrund von Kinderbetreuungspflichten oder Pflegeaufgaben;
- eine verpflichtende Kopplung der Vertragslaufzeiten in Drittmittelprojekten an die jeweilige Projektdauer. Hinzuweisen ist hier auch darauf, dass wissenschaftliche ProjektmitarbeiterInnen in Drittmittelprojekten dadurch benachteiligt sind, dass sich die Projektdauer und damit ihr Arbeitsvertrag bei Inanspruchnahme von Elternzeit/Elterngeld
nicht entsprechend verlängert. Hier laufen existierende familienpolitische Regelungen teilweise ins Leere.

2. eine Reform des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) dahingehend, dass Mutterschutzzeiten und Elternzeit genauso wie beim WissZeitVG vertragsverlängernd angerechnet
werden.

3. eine Reform des Bundesausbildungsförderungsgesetztes (BaföG). Die Bemühungen der Universitäten, Studierenden mit Kindern oder Pflegeaufgaben ein Teilzeitstudium zu ermöglichen, werden bisher nicht im BaföG nachgebildet und insofern konterkariert. Hier sind die Regelungen zur maximalen Bezugsdauer des BaföG anzupassen. Auch in der LOM werden die längeren Zeitbedarfe, die Studierende mit familiären Verpflichtungen oft haben, um ihr Studium erfolgreich abschließen zu können, bisher nicht adäquat berücksichtigt. Für Hochschulen bestehen daher wenige Anreize, Studierende zur Elternschaft während des Studiums zu ermutigen.

 

  • Unterstützung und Beratung der NRW-Hochschulen hinsichtlich Good-Practice Beispielen

Gute Bespiele für familienfreundliche Instrumente bekannt zu machen ist wichtig. Jedoch existieren für die Hochschulen diesbezüglich bereits umfangreiche Informationsmöglichkeiten, so dass die LRK hier keinen weiteren politischen Handlungsbedarf sieht. Angebote hierzu halten z. B. die DFG („Instrumentenkasten“), das Netzwerk Frauenforschung NRW, die berufundfamilie gGmbH der gemeinnützigen Hertie Stiftung oder die lokalen/regionalen Bündnisse für Familie bereit. Die Umsetzung vieler möglicher Maßnahmen scheitert nicht am Wissen, sondern an den finanziellen Möglichkeiten der Hochschule oder den (arbeits-)rechtlichen Vorgaben.

 

  • Vernetzung zwischen den Hochschulen und familienberatenden Einrichtungen und Organisationen

Auch hier sieht die LRK keinen landesweiten Handlungsbedarf. Viele Hochschulen kooperieren bereits mit den lokalen/regionalen Bündnissen für Familie oder sind durch die berufundfamilie gGmbH der Hertie Stiftung mit anderen Institutionen im Austausch. Die LRK möchte außerdem auf das bestehende Netzwerk der Familienservicebüros an den
Hochschulen in NRW (HNF) verweisen, in dem die Familienservicebüros zielgruppenspezifische Angebote zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit entwickeln und austauschen.
Durch eine Unterstützung des Netzwerks könnte hier noch effektiver zusammengearbeitet werden.

 

  • Familiengerechte Studienbedingungen durch ein neues Audit "Familienförderung" untersuchen

Die LRK betrachtet ein entsprechendes zusätzliches Audit als überflüssig und lehnt diese Forderung daher ab. Das etablierte Audit der berufundfamilie gGmbH der Hertie Stiftung
umfasst die wesentlichen möglichen Handlungsfelder (Arbeitszeit, Arbeitsorganisation, Arbeitsort, Informations- und Kommunikationspolitik, Führungskompetenz, Personalentwicklung, Entgeltbestandteile/geldwerte Leistungen, Service für Familien) und betrachtet dabei umsetzungsorientiert auch die Studienbedingungen. Zahlreiche Hochschulen in Deutschland – darunter bislang 17 Hochschulen aus NRW (Stand: März 2011) – haben dieses Audit bereits durchlaufen. Statt eines weiteren Audits sollte das bestehende Audit-Verfahren auf der Basis der bisherigen Erfahrungen weiterentwickelt und von weiteren Hochschulen durchlaufen werden.

Wichtig wäre es, Hochschulen im Rahmen der Zielvereinbarung mit dem Land zu verpflichten, Maßnahmen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit im Bereich Studium, aber auch in den anderen Handlungsfeldern der Universität – sei es durch ein Auditierungsverfahren oder durch andere Instrumente – verbindlich zu planen und umzusetzen. Die Bemühungen und Erfolge der hier besonders engagierten Hochschulen sollten entsprechend finanziell unterstützt und honoriert werden.

 

  • Ausdehnung der regionalen Bildungsnetzwerke auf die Hochschulen

Dieser Prozess findet bereits im Rahmen einer Vernetzung von Hochschulen mit außerhochschulischen Bildungseinrichtungen und Akteuren statt. Die LRK ist einer Ausweitung
gegenüber aufgeschlossen.

 

Zusätzliche Forderungen und Anregungen der LRK

Eine familiengerechte Ausgestaltung des Lern- und Arbeitsortes Hochschule bedarf weiterer, im Antrag der CDU nicht angesprochener Maßnahmen. Hierzu gehören:

 

  • Die verbesserte Abstimmung zwischen Schulferien und Semesterferien bzw. vorlesungsfreier Zeit

Mit großer Regelmäßigkeit kollidiert der Beginn der Vorlesungszeit des Wintersemesters mit den Herbstferien, der Beginn der Vorlesungszeit des Sommersemesters mit den Osterferien
der Schulen. Auch in den übrigen Schulferienzeiten (Sommerferien, Weihnachtsferien) ergeben sich oft nur begrenzte Schnittmengen mit den vorlesungsfreien Zeiten. Die Tatsache, dass Ferienzeiten von Kindern mit der Vorlesungszeit zusammenfallen, erschwert insofern an den Hochschulen Eltern (unter den Beschäftigten wie unter den Studierenden) die Realisierung familienbezogener Freiräume. Auch wenn mittlerweile an vielen Hochschulen Ferienfreizeiten oder Ferienprogramme angeboten werden und Schulen ebenso wie Kommunen ihre Angebote ausgeweitet haben, so sind gemeinsame Zeiten in der Familie hierdurch nicht unbegrenzt ersetzbar. Die jetzige und absehbare Ferienregelung führt für Eltern daher immer wieder zu Problemen. Eine stärkere politische Harmonisierung zwischen Schul- und Semesterzeiten ist daher aus Sicht der LRK ein zentrales Desiderat im Hinblick auf mehr Familienfreundlichkeit an Hochschulen.

 

  • Spezielle Mobilitätsprogramme für Studierende und WissenschaftlerInnen mit Kindern

Die gestiegene Erwartung an die Auslandsmobilität von Studierenden und jungen WissenschaftlerInnen stellt junge Eltern vor besondere Probleme. Hier sollten spezielle Mobilitätsprogramme zur Unterstützung und Realisierung von Auslandsaufenthalten geschaffen und darauf geachtet werden, Eltern nicht durch Altersgrenzen zu benachteiligen.

 

  • Spezielle Förderprogramme für Dual Career Couples

Die Zahl der Akademikerpartnerschaften, in denen beide Partner eine eigene berufliche Karriere verfolgen, steigt kontinuierlich an. Insbesondere im Bereich der Wissenschaft sehen sich Doppelkarrierepaare im Laufe ihres beruflichen Werdegangs vielfältigen Anforderungen bezüglich ihrer räumlichen und zeitlichen Flexibilität gegenüber und sind somit mit besonderen Schwierigkeiten hinsichtlich der Vereinbarkeit von Partnerschaft/ Familie und einer (wissenschaftlichen) Karriere für beide konfrontiert. Dual Career Servicestellen leisten an einigen Hochschulen hier bereits Unterstützung. Daneben sollten seitens der Landesregierung spezielle Förderprogramme für Dual Career Paare an Hochschulen aufgelegt werden, um die Gewinnung von hochqualifizierten Wissenschaftler/-innen zu unterstützen.

 

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