LRK NRW - Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW

Düsseldorf, 16. Oktober 2008

Stellungnahme der Landesrektorenkonferenz NordrheinWestfalen zum Vergaberahmen der W-Besoldung

Problembeschreibung

Die W-Besoldung geht derzeit in NRW von ca. 73.000 Euro als mittlerem Gehalt für einen W3-Professor aus. Das Grundgehalt für einen W3-Professor beträgt ca. 60.000 Euro, für einen W2-Professor 50.000 Euro. Die Differenz zwischen Grundgehalt und Durchschnittsgehalt multipliziert mit der Zahl der Professuren definiert den sog. Vergaberahmen einer Hochschule, über den Leistungszulagen gewährt werden können. 

 

Der Ansatz von 73.000 Euro für das mittlere Gehalt ist im internationalen Vergleich viel zu niedrig, etwa um 20 bis 30%. Die deutschen Universitäten sind daher hinsichtlich der Professorenbesoldung international nicht wettbewerbsfähig. [1] Aber auch innerhalb Deutschlands wird es für die Universitäten zunehmend schwerer die Abwanderung guter Professoren an Industrie und Wirtschaft oder private Hochschulen zu verhindern. Ein zusätzliches Problem entsteht dadurch, daß sich die Universitäten abhängig von ihrem Fächerspektrum, ihrer Internationalität, ihrer Reputation und ihrer Forschungs- und Lehrleistung in völlig unterschiedlichen Wettbewerbssituationen befinden, etwa was Rufe an ausländische Universitäten oder Angebote durch die Privatwirtschaft angeht. Dies wird jedoch in der Professorenbesoldung zur Zeit überhaupt nicht berücksichtigt: Alle Universitäten, gleichgültig ob eher regional oder international orientiert, agieren mit dem gleichen mittleren Gehalt. Obwohl die Universitäten durch die Reformen der letzten Jahre in vielen Bereichen wettbewerbsorientiert aufgestellt sind, ist also ausgerechnet der Bereich der Professorenbesoldung vom Wettbewerb ausgenommen.
 

Für die Universitäten in NRW wird diese Situation zunehmend problematisch. Als typische Beispiele sei die Situation an der RWTH Aachen und an der Universität zu Köln kurz skizziert, beides große, international orientierte und forschungsstarke Universitäten. Als Technische Hochschule steht die RWTH Aachen bei Gehaltsverhandlungen in besonderer Konkurrenz zur Industrie. Dort werden aufgrund der guten Konjunkturlage für Ingenieure zunehmend höhere Gehälter gezahlt. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Verhandlungsposition der zu Berufenden. So mußten im letzten Jahr signifikant höhere Gehälter verhandelt werden. Gleichzeitig wird von jüngeren Professorinnen und Professoren der RWTH vielfach verlangt, dass die RWTH auch besondere Leistungsbezüge vergibt. Dafür besteht jedoch wegen der Beschränkungen des Vergaberahmens kein Spielraum mehr. Es ist nicht auszuschließen, dass ein Teil dieser Professoren deswegen auswärtige Rufe annehmen wird. Darüber hinaus strebt die RWTH die weitere Internationalisierung ihres Lehrkörpers an. Es zeigt sich aber, dass dies wegen der Beschränkungen durch den Vergaberahmen schwierig ist. Die Universität zu Köln ist im Gegensatz zu Aachen eine klassische "Volluniversität" mit breitem Fächerspektrum. Allein in diesem Jahr fallen 10 Berufungs- bzw. Rufabwehrverhandlungen an, bei denen Gehälter zum Teil signifikant oberhalb 100.000 Euro gefordert werden, in 2 Fällen auch oberhalb der B10-Grenze. Die Forderungen sind dabei in jedem Fall durch Angebote der konkurrierenden Einrichtungen legitimiert. Bei den Rufabwehrverhandlungen geht es um äußerst wichtige Leistungsträger, etwa aus dem Bereich eines Exzellenzclusters der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie anderen Profilbereichen. ln einem Fall liegt ein Gehaltsangebot einer deutschen nicht-staatlichen Hochschule von knapp 300.000 Euro Jahresgehalt vor. Gerade der Verlust solcher Leistungsträger ist für die Universität zu Köln besonders schmerzlich, denn natürlich wurde über die letzten Jahre erheblich in Ausstattung und Infrastrukturen investiert um diese Spitzenwissenschaftler zu gewinnen und ihnen das entsprechende Umfeld für Spitzenleistungen zu gewährleisten.
 

Der Vergaberahmen der Universitäten gibt es nur im Einzelfall her, konkurrenzfähige hohe Gehälter im oben genannten Umfang zu zahlen. Ein Rechenbeispiel: Zahlt man einem Leistungsträger ein Gehalt von 125.000 Euro, so liegt dies um ca. 50.000 Euro über dem Mittelwert der W-Besoldung, und es müßten bei ca. 13.000 Euro Vergaberahmen pro Professur etwa 4 Professoren mit dem Grundgehalt bezahlt werden. Das funktioniert nicht: Für das Grundgehalt kann man Stellen überhaupt nicht dauerhaft besetzen - zumindest nicht mit guten Professoren! Gerade für die forschungsstarken Universitäten, deren Wissenschaftler von anderer Seite stark nachgefragt sind, stellt dies ein substantielles Problem dar.

 

Lösung

 
Die Lösung des Problems ist einfach und kostet das Land nichts. Folgende Maßnahmen müssen dazu ergriffen werden:
  1. Zunächst einmal bedarf es keiner Änderung bei den Regelungen zum Ruhegehalt. Die bisherige Regelung, bei der (bis auf wenige Ausnahmen) 140% des Grundgehaltes ruhegehaltsfähig sind, reicht aus. Bei Gehältern über 100.000 Euro kann man erwarten, daß die Betroffenen private Vorsorge treffen. Und angesichts der völligen Überlastung der Universitäten mit Reformen, Verbesserung der Studiensituation etc. besteht zur Zeit keinerlei Interesse zusätzliche Aufgaben im Zusammenhang mit Ruhegehältern zu übernehmen.
  2. Der Vergaberahmen muß abgeschafft werden - für die Besoldung der Professoren muß der Gesamtetat der jeweiligen Universität zur Verfügung stehen. So läßt sich eine Erhöhung der mittleren Vergütung der Professoren kostenneutral realisieren, und zwar ohne die Funktionsfähigkeit der Universitäten zu beeinträchtigen. Hierzu ein Rechenbeispiel: Der Finanzbedarf für international konkurrenzfähige Gehälter etwa für die Universität zu Köln kann wie folgt abgeschätzt werden: Die Universität hat ca. 250 W3-Professoren (wobei die Medizinische Fakultät nicht berücksichtigt ist). Hebt man die mittlere Besoldung von derzeit 73.000 Euro auf 90.000 Euro an, so ergibt sich ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf von etwa 4 Mio. Euro. Dies ist aus der Grundfinanzierung von etwa 200 Mio. Euro realisierbar, insbesondere da durch die höheren Gehälter Einsparungen an anderer Stelle möglich werden. So wird sich zum Beispiel durch die Möglichkeit, konkurrenzfähige Gehälter zu zahlen, die Zahl von Wegberufungen verringern. Dadurch können teure Neuberufungen vermieden werden; insbesondere in den experimentellen Naturwissenschaften sind diese Effizienzgewinne erheblich.[2] Effizienzgewinne entstehen auch dadurch, daß der bürokratische Aufwand, der durch die komplizierten Regelungen bzgl. des Vergaberahmens entsteht, wegfällt.
     
    An den NRW-Universitäten sind zur Zeit erst ca. 1/3 der Professoren in der W-Besoldung. Die notwendigen Umschichtungen innerhalb der Universitätsetats fallen also nicht abrupt an, sondern können über die nächsten 5 bis 10 Jahre umgesetzt werden.
     

Fazit

ln den vergangen Jahren wurde eine Reihe von Reformen des Hochschulsystems durchgeführt , mit dem Ziel mehr Wettbewerb und damit eine höhere Leistungsfähigkeit des Hochschulsystems zu erzeugen. Durch die Einschränkungen, die aus dem Vergaberahmen der W-Besoldung entstehen, können die Hochschulen jedoch an entscheidender Stelle, nämlich bei den Gehältern, nicht wettbewerbsgerecht agieren, und das nur aufgrund einer überflüssigen gesetzlichen Regelung. Die LRK befürwortet daher ohne Einschränkungen, den Vergaberahmen der W-Besoldung wie oben beschrieben abzuschaffen. Dies wird zu erheblichen Effizienzgewinnen beim Mitteleinsatz führen und die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit der NRW-Hochschulen entscheidend stärken. Die Abschaffung des Vergaberahmens wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg NRWs zum Innovationsland Nr. 1.

 

 
[1] Dies wird durch eine Studie des Hochschulverbandes bestätigt Danach beträgt die durchschnittliche Vergütung eines Professors an einer US-amerikanischen, öffentlichen Hochschule etwa 82.000 Euro und an privaten Hochschulen 106.000 Euro. ln der Schweiz liegt das Professorengehalt z.B. an der Universität Zürich zwischen ca. 100.000 und 150.000 Euro; an der ETH Zürich zwischen 120.000 und 160.000 Euro. Der direkte Vergleich ist allerdings nur bedingt aussagekräftig, da in anderen Ländern andere Lebenshaltungskosten und Pensionsregelungen bestehen und andere Steuersatze gelten. Nach Angaben des Statistischen Bundsamtes Deutschlands betragt die Kaufkraft eines Euro in den USA 1,14 Euro und in der Schweiz 0.88 Euro. Damit ergeben sich für alle oben genannten Beispiele aus den USA und der Schweiz Effektivgehalter oberhalb 90.000,- Euro.
[2] Hierzu ein Rechenbeispiel: Die Anhebung des Jahresgehaltes um 25.000,- Euro verursacht über einen Zeitraum von 20 Jahren Gesamtkosten von 500.000,- Euro. Eine Neuberufung in den experimentellen Naturwissenschaften liegt in der Regel zwischen 1 und 2 Mio. Euro bezüglich Erstausstattungsmitteln und Baumaßnahmen etwa bei Laboren.

 

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