LRK NRW - Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW

16. Oktober 2001: Die Hochschulen brauchen jetzt eine Konsolidierungsphase

 
Interview mit dem Rektor der FernUniversität in Hagen, Professor Helmut Hoyer, zum Amtsantritt als LRK-Vorsitzender

Die Reform der nordrhein-westfälischen Hochschulen ist mit Qualitätspakt-Diskussionen, Expertenrats-Empfehlungen und der Verhandlung von Zielvereinbarungen seit geraumer Zeit das beherrschende Thema der Hochschulpolitik in unserem Bundesland. Professor Dr.-Ing. Helmut Hoyer, Rektor der FernUniversität in Hagen, hat am 1. Oktober 2001 den Vorsitz der Landesrektorenkonferenz Nordrhein-Westfalen, also in einer Zeit der Umbrüche, übernommen.

 
Frage:
Wo sehen Sie die Aufgabe der LRK in diesem schwierigen Prozess?
 

Hoyer: Aufgabe der LRK ist es jetzt dafür zu sorgen, dass die Diskussionen der letzten Zeit sich beruhigen, dass allerdings auch in der aufkommenden Wettbewerbssituation die Gemeinsamkeiten der Universitäten nicht zu kurz kommen. Trotz allen Wettbewerbes, trotz allen Strebens nach Profilierung und Positionierung in der Hochschullandschaft gibt es natürlich ein gemeinsames Interesse aller Universitäten des Landes hinsichtlich ihrer Weiterentwicklung und natürlich auch hinsichtlich der Fragestellung, wie etwa Hochschulautonomie, Globalhaushalt und das neue Hochschulgesetz umgesetzt werden. Hier ist es Aufgabe der LRK dafür Sorge zu tragen, dass die Universitäten Planungssicherheit erhalten zur Umsetzung der vielen Ideen, der vielen Anregungen aber auch der schon begonnen Prozesse zur Umgestaltung. Also nach der Umbruchssituation brauchen wir jetzt eine Konsolidierungsphase.


Frage:
Welche Themen werden die Diskussion in der LRK in der nächsten Zeit darüber hinaus bestimmen?
 

Hoyer: Ein ganz wichtiges Thema ist natürlich die Einführung der gestuften Studiengänge. Sie sind als Auswirkung der Erklärung von Bologna sehr viel schneller gekommen, als viele gedacht haben. Wir haben es heute mit der Situation zu tun, dass an allen Hochschulen gestufte Studiengänge eingeführt werden. Dieser enorme Paradigmenwechsel bedarf der Begleitung durch die LRK als gemeinsamem Sprachrohr der Universitäten. Besonders in der Diskussion um die gestufte Lehrerausbildung befinden wir uns am Anfang dieses Prozesses. Es ist noch nicht ganz klar, wie die Experimente aussehen werden, und natürlich kann heute auch keiner sagen, wie die Experimente enden werden. Hinzu kommt, dass mit der Einführung der gestuften Studiengänge auch die Problemstellung der Akkreditierung verbunden ist. Hier werden die nordrhein-westfälischen Universitäten zusammen mit den Fachhochschulen, aber auch mit den Universitäten und Fachhochschulen aus Rheinland-Pfalz und - so ist es geplant - den niederländischen Kolleginnen und Kollegen eine gemeinsame Akkreditierungsagentur gründen, um den Hochschulen den Service einer kostengünstigen Akkreditierung ihrer Studienangebote zu bieten.

Ebenfalls in der Diskussion ist die Reform des Arbeitnehmererfindergesetzes. Diskutiert wird der Aufbau von Verwertungsstrukturen für Erfindungen an den Hochschulen. Es zeichnet sich ab, mit professionellen Verwertungsagenturen eine gemeinsame Strategie zur Erteilung und Verwertung von Patenten zu entwickeln.

Ein weiteres Thema ist die Entwicklung einer gemeinsamen Multimediastrategie für die nordrhein-westfälischen Hochschulen. Gemeinsam mit dem Ministerium diskutieren und definieren wir Felder, in denen in den nächsten Jahren die Mittel - nach Antrag - entsprechend fließen sollen. Wir haben uns dafür ausgesprochen, dass die Hochschulen in einem ersten Schritt ein Multimediakonzept entwickeln, wobei es ganz wichtig ist zu betonen: Es kann nicht das Multimediakonzept geben, sondern jede Universität, jede Fachhochschule muss ihr eigenes Multimediakonzept entwickeln und dafür sorgen, dass es auch individuell ausgestaltet wird.


Frage:
Was bedeutet die vom Wissenschaftsministerium geforderte Profilierung der Hochschulen für das Verhältnis der Universitäten untereinander und in der LRK - Kooperation oder Konkurrenz?
 

Hoyer: Eigentlich beides. Wenn man sich profiliert und auch in einen Wettbewerb zu einander geht, bedingt das natürlich eine gewisse Konkurrenzsituation. Auf der anderen Seite bietet es natürlich auch die Chance, die eigenen Stärken heraus zu arbeiten und sich in der Gesamtheit - quasi wie in einem Mosaik - besser zu präsentieren. Ich sehe die Profilierung als eine Chance. Im Hinblick auf die Diskussion, was eine Universität denn anbieten muss, möchte ich ein Wort von Staatssekretär Krebs aufgreifen, der sagte: "Auch Vielfalt ist ein Profil." Damit trete ich auch den Meinungen entgegen, die Profilierung und Positionierung ganz eng als eine Verknappung des Angebotes verstehen. Das kann nicht sein, hier muss jede Universität für sich ihr Profil, ihre Position finden, und die LRK bietet für diesen Prozess eine ausgezeichnete Plattform.


Frage:
Die Universitäten des Landes sollen sich stärker für einen internationalen Bildungsmarkt öffnen. Was bedeutet eine zunehmende Internationalisierung für die einzelnen Hochschulen?
 

Hoyer: Zuerst bedarf es hier der Lösung einiger Problemstellungen, denn die Öffnung bedingt, dass man den Prozess der Internationalisierung sehr viel stärker als bisher mit in den Aufgabenbereich der Hochschulen einbezieht. Es muss klar definiert werden, was zum Hauptamt gehört und welche Aufgaben die Hochschulen zusätzlich übernehmen, die dann natürlich auch zusätzlich alimentiert werden müssen. Die Hochschulen dürfen bei der Internationalisierung in Bezug auf die Nachhaltigkeit und die finanzielle Absicherung der Angebote nicht allein gelassen werden. Wir haben zu oft in der Vergangenheit erlebt, dass mit kurzfristigen Programmen die Internationalisierung angeschoben werden sollte, aber wenn es dann um die Nachhaltigkeit ging, wurden die Hochschulen oft nur auf sich selbst verwiesen. Wenn das Land, wenn die Bundesrepublik Internationalisierung als einen wichtigen Punkt ihrer auswärtigen Politik begreift, dann müssen auch die Hochschulen in die Lage versetzt werden, diese Aufgaben dauerhaft zu übernehmen. Und es muss ihnen erlaubt sein, so zu agieren wie diejenigen ausländischen Universitäten, die uns so oft als Beispiel vorgehalten werden.

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